Wann kommt die Zeit in der man sich so akzeptiert wie man ist?

Mit all seinen Merkmalen und Narben innerlich wie äußerlich, die für alle sichtbar sind.

Ich habe eine große Narbe die mich seit meinem 17. Lebensjahr begleitet und mich daran erinnert, wie schnell alles vorbei sein hätte können.
Doch ich hatte einfach einen großen Schutzengel und es lenkte mein Leben in eine ganz andere Richtung.
Ich war meiner Familie noch nie so nahe und wahre Freunde kristallisierten sich heraus.
Trotzdem war der Anfang nach dem Unfall keine so leichte Situation mit viel Verzicht und Einschränkungen, aber ich wollte das Beste daraus machen. 
Ich wurde gefühlt ganz schnell erwachsen und doch tat ich mir schwer irgendetwas Positives aus dem neuem Ich zu sehen.

Doch Heute sehe ich es mit ganz anderen Augen.
Ich bin stolz auf meine Narbe und das Geschehnis hat im Nachhinein fast nur gute Sachen mit sich gebracht.

Wenn es nicht so gekommen wäre, hätte ich meinen Mann nie kennengelernt und zwei so wunderbare Kinder bekommen.
Ich hätte nie die Menschen kennengelernt, die mir heute so wichtig sind.
Ich bin dankbar für das was ich habe und für die Menschen die mich bestärken.

Die Narbe gehört einfach zu mir und ich würde es auch nicht ändern wollen.
Vor ein paar Jahren wäre es mir nie in den Sinn gekommen mich so zu zeigen. Ich hätte nie den Mut gehabt meinen Bauch so öffentlich zu präsentieren.
Es war ein langer Prozess mich so zu akzeptieren wie ich bin und selbstbewusst zu mir zu stehen, an machen Tagen mehr an anderen weniger, aber so geht es wahrscheinlich jedem von uns.

Mein Körper leidet immer noch unter den Spätfolgen des Unfalls, aber ich komme gut damit klar. ich sehe es als Päckchen das man Tragen muss und jeder hat eines zu tragen.

Eure Chrissi

Schattenkind

Seit unserer Kindheit haben sich gewisse Glaubenssätze in uns eingeprägt. Wir bemerken sie nicht, aber sie sind da.

Manchmal übernehmen sie das Kommando über uns. In diesen Momenten beherrschen nicht wir uns, sondern wir werden beherrscht, ohne es zu registrieren.
Sie machen den Anschein, als wären sie ein Teil von uns, als würden sie uns als Person ausmachen, dabei sind sie nichts weiter, als ein Relikt aus unserer Vergangenheit.
Das hört sich gruselig an, doch wenn man sich mit dieser Thematik beschäftigt, öffnet sich ein Vorhang. Es ist die Gelegenheit um alten Ballast fallen zu lassen und das Leben in gewisser Weise, neu zu beginnen.

Als mir meine Glaubenssätze bewusst wurden, fühlte ich mich für einen kurzen Moment sehr hilflos. So vieles was ich dachte zu sein, war plötzlich ein Trugschluss. Ein Buch hatte mir den Spiel vorgehalten und mich Dinge sehen lassen, die vermutlich für immer im Verborgenen, ein Teil von mir gewesen wären. Unvorstellbar, welche Magie in „ein bisschen Papier“ stecken kann.

Seit diesem Tag haben mich meine Glaubenssätze nicht verlassen. Sie sind immer noch da und versuchen „ich“ zu sein. Doch mittlerweile erkenne ich ihr Flüstern immer häufiger und kann dann bewusst entscheiden, ob ich ihre Meinung teile oder eben nicht.

In gewisser Art und Weise, habe ich einen Teil meiner Identität verloren. Ich sehe diesen Verlust meiner „Schein-Identität“ jedoch positiv und als Chance, jetzt endlich die sein zu können bzw. zu werden, die ich wirklich bin.

Wer das ist, wird sich zeigen.

Wer ebenfalls an einem Blick, hinter den eigenen Vorhang interessiert ist, kann ich das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl empfehlen. Selten war ich von einem Buch dermaßen begeistert, wie von diesem.

!!! Hierbei handelt es sich um unbezahlte und vor allem unbeauftragte Werbung. Es ist eine reine Herzens-Empfehlung. !!!

Eure Julia

Der Sinn des Lebens

Was ist der Sinn meines Lebens? Eine Frage die ich diese Woche gestellt bekam.

Eine schwierige Frage und vor allem eine, die man nicht so schnell beantworten kann.

Unser Leben befindet sich in einem ständigen Wandel. Unser Umfeld und unsere Lebensumstände verändern sich permanent und wir uns mit ihnen. Stillstand gibt es nicht.

Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.“ beschrieb schon Heraklit von Ephesos (griech. Philosoph, 500 v. Chr.). Wie ist es also möglich, während dieser andauernden Veränderung einen konkreten Sinn, für das eigene Leben festzusetzen?

Um dieses Thema genauer zu durchleuchten, benötigt man Zeit. Einen inneren Raum, der überhaupt die Möglichkeit zulässt, tiefer zu blicken.

Ich schnappte mir daher meine Laufschuhe und spurtete los. Ich atmete die kühle Luft ein, ließ meine Beine monoton dahin trotten und mein Hirn ratterte vor sich hin. Tatsächlich konnte ich in diesen ruhigen Minuten, zwei Punkte für mich festsetzen, die für mich zum Sinn meines Lebens gehören.

  • Engagement für wichtige Themen
  • Gleichmut

Engagement

Auf den ersten Blick mag unser Blog, wie ein netter Zeitvertreib zweier Muttis wirken. Ein bisschen Quasseln, ein bisschen Text, ein paar Fotos, fertig! Der Schein trügt jedoch.

Wir leben in einer Welt des Perfektionismus. Eine Welt, in der wir als Menschen funktionieren müssen, ohne Rücksicht auf Verluste. Eine Welt, des Konsums und Umweltzerstörung. Eine Welt, die vom Kopf geleitet wird, ohne Mitspracherecht des Bauchgefühls oder des Herzens.

Ich bin keine Heilige und das versuche ich auch nicht zu werden. Ich bin ein Mensch und Menschen haben Schwächen.

Regelmäßig regieren mich meine Muster, die mich zum Wahn nach Perfektion, der Konsum-Gier, dem schlechten Umgang mit mir selbst oder meinen Mitmenschen und anderen Dingen treiben.

Ich habe es mir jedoch zur Aufgabe gemacht, Licht ins Dunkle zu bringen. Zunächst einmal, indem ich öffentlich meine Schattenseiten enthülle und somit dem ein oder anderen Anregungen biete, das eigene Denken und Handeln ebenfalls zu durchleuchten.

Wie lange und in welcher Form ich diese Themen öffentlich predigen möchte, kann ich heute nicht sagen. Eines weiß ich jedoch, ich werde mein Leben lang ehrlich zu Themen stehen, die ich für wichtig erachte, werde ehrlich mit mir und dem Leben umgehen und weiter an mir arbeiten.

Gleichmut

Eines der Ziele aus dem Yoga ist der Gleichmut. Häufig verwechselt man dieses Wort mit der Gleichgültigkeit, welche jedoch nicht gemeint ist.

Gleichmut steht für mich dafür, mich weniger von meinen Emotionen leiten zu lassen, sondern geerdet und stabil im Leben zu stehen. Es bedeutet für mich, freundlich mit anderen Menschen umzugehen, auch wenn mir diese Freundlichkeit nicht immer entgegen kommen wird.

Auge um Auge – und die ganze Welt wird blind sein.“ (Mahatma Gandhi)

Dieses Prinzip möchte ich irgendwann weitestgehend verinnerlicht haben. Es hört sich so einfach an, ist im zwischenmenschlichen Umgang jedoch so schwierig.

Der Sinn für mich und mein Leben liegt darin, ein „guter“ Mensch zu sein und diesen Planeten, nach meinen Möglichkeiten, zu einem besseren Ort zu machen.

Der Weg ist das Ziel! Mal sehen wo mich diese Reise hinführt.

Eure Julia

Optimistisch ins Jahr 2021

Dieses Jahr war anstrengend und oftmals auch nervtötend. Es war ein Jahr voller Entbehrungen. Ein Jahr voller Ungewissheit und manchmal auch Angst. Die Angst Familien-Mitglieder verlieren zu können und im schlimmsten Fall mit einer Mitschuld leben zu müssen. Ein Jahr in dem Existenzen und Träume zerstört wurden. Ein Jahr in dem wir uns häufig bevormundet fühlten und unser Leben irgendwie anders verlief, als gewohnt. Ein Stück Freiheit ging verloren.

Insgesamt war es eine Situation, die jeden von uns durch Höhen und Tiefen gehen ließ.

Ich habe Anfang dieser Woche eine tolle Yoga Stunde zum Thema Rauhnächte besucht (zumindest virtuell). Egal ob man an solche Dinge glaubt oder nicht, hatte diese Stunde einen wunderschönen Hintergrund. Es ging um drei wichtige Themen: Loslassen, Dankbarkeit und die Intuition bzw. das hinein Hören in uns.

Es ging darum revue passieren zu lassen, was in diesem Jahr geschehen ist. Deine ganz individuelle Sicht, auf das Jahr 2020. Deine persönlichen Höhen und Tiefen, in diesem besonderen Jahr.

Lasse dein Kopf-Kino des Jahres 2020, vor deinem inneren Auge ablaufen und filtere all das Gute heraus, um dieses Jahr anschließend ganz bewusst loszulassen und dadurch Platz für Neues zu schaffen.

Welche kostbaren Momente hat dir dieses Jahr geschenkt?

Unser Leben ist schnell und unser Leben ist laut. Vielleicht bietet uns Corona mehr denn je, die Chance feststellen zu können, was wir wirklich brauchen. Die einmalige Gelegenheit dem leisen Flüstern unserer Intuition zu lauschen, das in unserer schnellen, lauten Welt meist überhört wird.

Unter genauerer Betrachtung kann sicherlich jeder diesem Jahr, etwas Positives entnehmen. Für mich persönlich, war es trotz der vielen Entbehrungen, ein wunderschönes, spannendes Jahr.

Nach der Baby-Pause bin ich wieder ins Arbeitsleben eingestiegen (zumindest ein bisschen), Chrissi und ich haben unseren wunderbaren Herzens-Blog „Wiesentoechter“ gegründet, ich habe endlich meine lang ersehnte Yoga-Lehrer Ausbildung begonnen und durfte die Entwicklung meines Mini-Krabbel-Babys, zu einer süßen herum tobenden Quassel-Maus beobachten.

Gerade in Zeiten wie Diesen, sollten wir unseren Blick auf das Positive richten.

Vielleicht hast du ebenfalls Lust, die letzten Tage des Jahres 2020 zu nutzen, um viele dankbare Momente zu sammeln. Ich wünsche dir jedenfalls schon jetzt, einen glücklichen und hoffnungsvollen Start ins Jahr 2021.

Julia

Am Ende wird alles gut! Und wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende.

(Oscar Wilde)

© Wiesentoechter

Yoga, der Panzer-Knacker – Warum es gut ist, wenn unsere Fassade bröckelt

Wir alle haben unser Päckchen zu tragen. Jeder erlebt im Laufe seines Lebens Dinge, die kleine Spuren und Narben hinterlassen. Es müssen keine schlimme Dinge gewesen sein, sondern einfach Erfahrungen die uns zu dem Menschen gemacht haben, der wir heute sind.

Die meisten von uns erbauen über die Jahre, einen kleinen Schutz-Panzer um sich. Eine Schutz-Hülle, die uns vor neuen Verletzungen bewahren soll und unsere wahren Gefühle versteckt.

„Gut!“ ist unsere Standard-Antwort, bei der Frage „Wie geht’s dir?“ und wenn wir ehrlich sind, erwartet unser Gegenüber meist auch keine andere Antwort.
Dieser Panzer ist hier von großem Vorteil, schließlich müssen wir so unauffällig wie möglich lügen, damit wir auch an schlechten Tagen, mit einem glaubwürdigen „Gut!“ antworten können.

Was hat das mit Yoga zu tun? Yoga ist ein Panzer-Knacker, zumindest wenn wir es zulassen.

Und dabei rede ich nicht von einem klassischen Yoga Kurs, wie ihn die meisten von uns kennen, sondern vom Großen und Ganzen des Yoga.

Warum sollte es erstrebenswert sein, diesen Panzer zu knacken?

Viele von uns spielen eine Rolle. Wir identifizieren uns über unseren Beruf, unseren Besitz, unseren Status, unseren Familienstand,… Doch wer sind wir wirklich? Und was wollen wir wirklich?

Dies sind Fragen, die wir uns erst dann ehrlich beantworten können, wenn wir uns zu unserem inneren Kern vorwagen und unsere Fassade bröckeln lassen.

Ein Haus dessen Fassade bröckelt, sieht zwar zunächst unschön aus, gibt ihm aber die Möglichkeit sich zu verändern. Die Möglichkeit eine neue Farbe und Gestalt anzunehmen, unabhängig von dem was war.

Eure Julia

Passend zum Artikel, das wunderschöne und idyllische Seminar-Haus „zum Waldaufseher“ © Wiesentoechter

Warum Yoga die Welt retten könnte

Wir leben in einer Welt, in der das Geld und die Zeit regiert. „Schneller, höher, weiter“, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir achten weder auf uns, noch auf unseren Planeten. Der Mensch ist manchmal wie ein Virus. Ein Virus, welches seinen Wirt Stück für Stück so auszehrt, bis er irgendwann aufgibt. In unserem Fall wird das Virus mit seinem Wirt sterben, da wir keine Möglichkeit haben, zum nächsten Planeten zu hüpfen.

Von daher…. JA, ich bin der Meinung, Yoga könnte die Welt retten.

Ein bisschen mehr Empathie.
Ein bisschen mehr Wir und etwas weniger Ich.
Ein bisschen mehr Geben und etwas weniger Nehmen.
Ein bisschen mehr Zufriedenheit, mit dem was wir haben und weniger Unmut über das, was uns fehlt.
Das könnte die Welt retten!

Sollte jetzt die Frage aufkommen, was „turnende Menschen“ mit diesen Grundsätzen zu tun haben, zeigt es nur, dass die Wenigstens von uns wissen, was Yoga bedeutet. Woher sollten wir es auch, da es doch schließlich als neue Trend-Sportart verkauft und angepriesen wird.

Grundsätzlich gilt jedoch: Yoga ist kein Sport! Yoga ist eine Art zu Leben.

Im Rahmen einer Trainer Ausbildung (2016), hörte ich zum ersten mal vom „achtgliedrigen Weg“, dem Leitfaden des Yoga. Das Yogasutra (Patanjali), die Bibel des Yoga könnte man sagen, beschreibt die wichtigsten Grundsätze der Yoga-Lehre. In diesem Buch finden sich lediglich ein paar Sätze, die sich auf die Yoga Asanas (Übungen) beziehen.

Mit „Turnen auf der Matte“ hat Yoga daher recht wenig zu tun.

Für mich geht es darum, ein guter Mensch zu sein. Ein Mensch, der nicht nur auf sein eigenes Wohl bedacht ist, sondern sich als Teil eines großen Ganzen sieht.

Daher sage ich nochmal JA, ich bin der Meinung, Yoga könnte die Welt retten.

Denn wir brauchen dringend:
Ein bisschen mehr Empathie.
Ein bisschen mehr Wir und etwas weniger Ich.
Ein bisschen mehr Geben und etwas weniger Nehmen.
Ein bisschen mehr Zufriedenheit, mit dem was wir haben und weniger Unmut über das, was uns fehlt.
Das könnte die Welt retten!

Eure Julia

Viel Zeit bleibt uns nicht, aber noch haben wir die Chance etwas zu verändern.